Gesundheit und Krankheit: Verschiedene Definitionen

Gesundheit und Krankheit: Verschiedene Definitionen
 
Der Begriff Gesundheit wird zwar häufig gebraucht, doch was genau darunter zu verstehen ist, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche empfinden die Abwesenheit von Schmerzen als Gesundheit, andere fühlen sich erst gesund, wenn sie sich sowohl körperlich als auch seelisch fit fühlen.
 
 Definition Gesundheit
 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Begriff Gesundheit definiert: Gesundheit ist demnach der Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Doch diesen Zustand erreichen nur die wenigsten Menschen - alle anderen wären der WHO zufolge demnach krank, obwohl sie sich vielleicht gar nicht krank fühlen, und müssten eigentlich vom Arzt krank geschrieben werden. Aus diesem Grund ist die Definition der WHO für die Beurteilung des Gesundheitszustands von Patienten durch den Arzt nicht zu gebrauchen.
 
Das Modell der Homöostase geht deshalb von einem anderen Gesundheitsbegriff aus. Gesund ist ein Mensch demnach, wenn sich sowohl die Funktionen des Organismus als auch das seelische Erleben der Person im Gleichgewicht befinden und dieses aufrechterhalten wird. So muss z. B. zwischen dem Auf- und Abbau von Zellen ein Gleichgewicht herrschen, denn sonst kann es z. B. bei übermäßiger Zellbildung zu Tumoren, bei zu geringer Zellteilung zu Gewebeschwund kommen. Auch das für den Körper günstigste innere Milieu (z. B. seine Körpertemperatur, der pH-Wert des Bluts, die Steuerung des Hormonhaushalts) muss aufrechterhalten werden, damit jemand gesund bleibt. Genauso müssen die psychosozialen Grundbedürfnisse erfüllt werden - z. B. muss zwischen Arbeit und Freizeit sowie zwischen Ruhe- und Aktionsphasen ein Gleichgewicht bestehen, damit sich ein Mensch wohl und gesund fühlt. Um das Gleichgewicht zwischen dem Auf- und Abbau von Stoffen sowie die Aufrechterhaltung des inneren Milieus zu halten, bedarf es großer Anpassungsleistungen des Körpers. So müssen beim Kontakt mit Krankheitserregern vom Immunsystem Antikörper gebildet werden oder zur Bewältigung von Anstrengungen bestimmte Körperfunktionen gesteigert werden. Die Bewältigung seelischer Probleme erfordert ebenfalls eine Anpassungsleistung - z. B. muss sich ein Mensch, der mit dem Tod eines nahen Angehörigen konfrontiert wird, an die veränderte Situation anpassen. Gesund wäre ein Mensch nach dem Modell der Homöostase demnach, wenn sich sein Körper und seine Psyche stets auf die bestmögliche Weise an veränderte Bedingungen anpassen.
 
 Krankheitsdisposition
 
Die Veranlagung für Krankheiten bezeichnet man als Krankheitsdisposition. Der Begriff Krankheitsdisposition ist zu unterscheiden von Faktoren, auf die eine Krankheit zurückzuführen ist oder die die Entstehung von Krankheiten begünstigen (Krankheitsursachen, z. B. schädigende Umwelteinflüsse). Wer die Disposition für eine bestimmte Krankheit aufweist, muss jedoch noch lange nicht krank werden - das Risiko ist für ihn jedoch erhöht. Unterschieden werden unter anderem Geschlechtsdisposition, Rassendisposition und Altersdisposition. Es ist z. B. statistisch erwiesen, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer an Osteoporose (Knochenschwund) erkranken bzw. dass Männer unter 50 Jahren häufiger unter Herzerkrankungen leiden als Frauen unter 50. In diesen Fällen ist es das Geschlecht, das die Anfälligkeit für eine bestimmte Krankheit erhöht. Manche Krankheiten hingegen betreffen nur bestimmte ethnische Gruppen oder Rassen. Wer zu einer solchen Personengruppe gehört, ist anfälliger für diese Erkrankungen. Auch das Alter spielt eine Rolle für die Anfälligkeit für Krankheiten, z. B. tritt Prostatakrebs häufiger bei Männern über 60 Jahren als bei jüngeren Männern auf. Manche Krankheitsdispositionen sind vererbt, so kann z. B. ein Gendefekt dazu führen, dass eine Krankheit in jedem Fall ausbricht - ganz egal wie gesund jemand lebt. Zu diesen Erbkrankheiten gehört beispielsweise Chorea Huntington (Veitstanz). Andere durch Gendefekte erworbene Krankheitsdispositionen führen nicht zwangsläufig zur Erkrankung, das Risiko für den Ausbruch einer Krankheit ist jedoch erhöht.
 
Andere Krankheitsdispositionen hingegen sind erworben. So ist eine Person mit einer bereits bestehenden Krankheit in der Regel anfälliger für weitere Erkrankungen - z. B. sind Patienten, die mit dem Aidsvirus (HIV) infiziert sind, sehr anfällig für lebensgefährliche Pilzerkrankungen der Lunge und eine Vielzahl weiterer Erkrankungen. Diese Krankheiten, die infolge einer bestehenden Krankheit auftreten, werden als Sekundärerkrankung bezeichnet. Wenn sie unmittelbar mit der Krankheit zusammenhängen, werden sie Komplikation genannt. Die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen oder unterdrücken, erhöht die Anfälligkeit für Erkrankungen ebenfalls.

Universal-Lexikon. 2012.

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